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Bündnis EnergieWende Wiesbaden-Taunus

Glosse: Die bösen Busse von Taunusbaden – ein Märchen

Böse-BusseEs war einmal ein Land, in dem es keine Busse gab. Im öffentlichen Nahverkehr fuhren nur Autos und Mopeds. Man wollte einfach keine Busse und hatte sie deswegen verboten. Doch weil die Verkehrsprobleme immer schlimmer wurden, hob der Staat das Verbot auf. Das führte auch in den benachbarten Städten Wiesenstein und Taunusbaden zu einer Diskussion über das neue Verkehrsmittel. Schließlich entschied man sich, die Busse gemeinsam anzuschaffen.

Doch dann erfuhr ein wohlhabender Unternehmer aus Taunusbaden, dass eine Busroute direkt vor seinem Grundstück vorbeiführen würde. Das passte ihm gar nicht. „Ich habe mir doch nicht so ein tolles Grundstück im Grünen gekauft um mir die Ruhe von so einem blöden Bus vermasseln zu lassen“, dachte er sich und gründete umgehend eine Bürgerinitiative gegen Omnibusse. „Omnibusse sind Monster. Sie töten unsere Kinder und verpesten die Umwelt“ prangte es bald von den Werbetafeln, die der Unternehmer auf seine Kosten überall im Ort hatte aufstellen lassen.

Mit Flugblättern und Unterschriftenlisten ging die Bürgerinitiative nun von Haus zu Haus und erklärte den Bürgern, welchen Gefahren sie durch Omnibusse ausgesetzt wären. Busse seien wahre Tötungsmaschinen. Fußgänger und Tiere würden von ihnen einfach plattgewalzt, selbst Autofahrer hätten gegen die massiven Ungetüme keine Chance. Außerdem würden sie enorm viel Treibstoff verbrauchen, die Luft verpesten und jede Menge Lärm verursachen, sogar ganz besonders gefährliche Schallwellen, die man nicht einmal höre. Wegen der Größe der Busse würde es zunehmend Verkehrsstaus geben. Die Bushaltestellen würden zu Schandflecken, weil Zigaretten, Kaugummis und Verpackungen einfach weggeworfen würden. Zudem gäbe es dort bald zwielichtige Gestalten, die Kinder, Frauen und Alte belästigen und bedrohen würden.

Die Menschen von Taunusbaden waren entsetzt. So etwas Unverantwortliches wollten die Kommunalpolitiker den Leuten aufdrängen? Man war empört und prompt gewann bei der nächsten Bürgermeisterwahl der Kandidat der sich am heftigsten gegen die Einführung der Busse ausgesprochen hatte.

Auch in Wiesenstein erhob sich zunächst der Protest. Doch dann beschloss man, sich die Argumente der Busse-Gegner mal genauer anzuschauen. Und man fand heraus, dass dort wo Busse eingeführt wurden, viel weniger Unfälle und viel weniger Tote und Verletzte passierten und es viel weniger Verkehrsstaus gab. Auch die Umwelt profitierte: zwar verbrauchte ein einzelner Bus mehr Treibstoff als ein Auto, in der Summe sank jedoch die Schadstoffbelastung deutlich, genauso wie der Verkehrslärm und, nebenbei bemerkt, auch dieser seltsame Infraschall, über den sich aber ohnehin niemand beklagte. Auch all die anderen Bedenken, wie z.B. Belästigungen und Verschmutzungen an den Bushaltestellen, hatten sich nicht wirklich als große Probleme herausgestellt.

Unter dem Strich sprach wirklich alles für die Einführung der Busse. Also beschlossen die Wiesensteiner, das auch zu tun. Kurz nachdem die ersten Busse fuhren, verstummte die Kritik. Fast alle waren von dem neuen Verkehrssystem begeistert. Jetzt wurden auch die Taunusbadener neugierig. Da alles viel besser lief als befürchtet, dauerte es nicht lange, bis auch Taunusbaden die ersten Busse bestellte.

Nur der wohlhabende Unternehmer an der Busstrecke versuchte noch, sich dagegen zu stemmen. Aber gegen den Willen der Mehrheit hatte er keine Chance. Verärgert zog er sich zurück und schmollte bis an sein Lebensende.

Die restlichen Bürger von Wiesenstein und Taunusbaden lebten fortan glücklich und zufrieden und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute und bauen jetzt auch noch Windkraftanlagen.

 Autor: Hans-Werner Greß
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