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Bündnis EnergieWende Wiesbaden-Taunus

Wiesbadens Klimaschutzziel 20 – 20 – 20

Transition Town - Wiesbaden im Wandel Beitrag von Wiesbaden im Wandel – Transition Town Projektgruppe Energie

Die Stadt Wiesbaden hat sich mit dem griffigen Kürzel 20 – 20 – 20 den Klimaschutz auf die Fahne geschrieben: Bis 2020 soll zum einen der Energieverbrauch um 20% gegenüber 1990 reduziert werden, zum anderen soll die dann noch benötigte Energie zu 20% aus erneuerbaren Quellen kommen. Die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger soll durch eine effiziente und umweltfreundliche Energieversorgung gesteigert werden, der Ausstoß der klimaschädlichen Treibhausgase reduziert werden. Basis der Klimastrategie ist dabei eine von der Stadt in Auftrag gegebene Energiestudie des Leipziger Instituts für Energie. Die Studie setzt u.a. auf Maßnahmen zur energetischen Gebäudesanierung und den konsequenten Ausbau der regenerativen Energien.

Produziert die Kommune ihren Strom und ihre Wärme selbst, hat dies etliche Vorteile: Die Stadt ist unabhängiger von großen, rein am Gewinn orientierten Konzernen. Die Dezentralität der Energieversorgung verkürzt die Lieferwege. Die Bürgerschaft hat über die Lokalpolitik direktere Einflussmöglichkeiten auf ihre Energieversorgung. Zudem wird die Verantwortung für mögliche Umweltschäden von der Kommune selbst getragen und nicht anderen Regionen und deren BürgerInnen aufgebürdet.

Wo steht Wiesbaden bislang ? Derzeit werden ca. 10% des benötigten Stroms und 11% der benötigten Wärme aus erneuerbaren Energien erzeugt. Der überwiegende Anteil davon stammt aus zwei Biomasse-Heizkraftwerken. Eine gewisse Bedeutung hat für die Stromerzeugung auch noch die Gewinnung aus Klär- und Deponiegasen sowie die Nutzung von Wasserkraft. Photovoltaik- oder Solarthermieanlagen spielen dagegen jedoch anteilsmäßig nur eine kleine Rolle, da die vielen kleinen Anlagen nur eine geringe Menge an Energie erzeugen.

Energiesparmaßnahmen und ökologisch sinnvolle Projekte fördert die Stadt mit ihrem Innovations- und Klimaschutzfonds. Zudem beteiligt sie sich über die städtische Wohnungsbaugesellschaft am Bau von Passivhaus-Wohnanlagen. Eine weitere Anlaufstelle, an der die Stadt beteiligt ist, ist die Klimaschutzagentur, die beratend tätig ist.

Welche Potenziale besitzt Wiesbaden? Hinsichtlich Wasserkraft und Biomasse-Heizkraftwerken dürften die Potenziale ausgereizt sein, da weder Wasser noch Biomasse mittelfristig über das bereits genutzte Maß hinaus zur Verfügung stehen werden. Auch Biogas wird kaum zusätzlich zur Wiesbadener Energieversorgung beitragen können – ganz abgesehen davon, dass der Anbau von Energiepflanzen ökologisch und ethisch bedenklich ist. Derzeit wird erforscht, welche Potenziale die Tiefengeothermie bietet und ob ein Geothermiekraftwerk sich rechnet. Allerdings ist hier – wenn überhaupt – erst langfristig mit nennenswerten Erträgen zu rechnen.

Windkraft wird bislang in Wiesbaden bekanntlich noch nicht genutzt. Die Stadt plant die Errichtung mehrerer Windkraftanlagen auf dem Taunuskamm. Mit diesen Windkraftanlagen könnten zusätzlich 4-5 % geschafft werden, wenn es gilt, 20% des Stroms aus erneuerbaren Energien zu erzeugen.

Die Stadt hat inzwischen die Erstellung eines integrierten Klimaschutzkonzepts in Auftrag gegeben, in dessen Rahmen u.a. Energie- und CO2-Bilanzen und Potenzialanalysen für verschiedene Formen der Energieerzeugung erstellt werden. Zusätzlich versucht die Stadt, die Öffentlichkeit durch Informationsveranstaltungen und Workshops in Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse einzubinden. So fand Anfang des Jahres ein zweitägiges Bürgerforum zum Thema „Erneuerbare Energien“ statt, gefolgt von einem weiteren Forum zum Thema „Energieeffizienz“. Ein weiteres Bürgerforum, in dem das fertige Klimaschutzkonzept vorgestellt werden soll, ist geplant.

Fazit: Die Stadt Wiesbaden befindet sich mit ihren Klimazielen auf dem richtigen Weg. Allerdings müssen um die Klimaziele für 2020 zu erreichen noch große Anstrengungen unternommen werden. Hierzu gehört eine konsequente Umsetzung der technischen Vorhaben verbunden mit einer verstärkten Aufklärung der Bürgerinnen und Bürger über die Vorhaben und Ziele. Auch die potenziellen Auswirkungen und Gefahren des Klimawandels für Wiesbaden müssen diskutiert werden. Ebenso muss seitens der Stadt aufgezeigt werden, welche Handlungsmöglichkeiten der oder die Einzelne hat, wenn es darum geht, Energie einzusparen oder sogar im Klimaschutz selbst aktiv zu werden. Denn der schnellste und am einfachsten gangbare Weg, das Klima zu schützen, ist es, weniger Energie zu verbrauchen.

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