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Bündnis EnergieWende Wiesbaden-Taunus

„Windkraft ist unsozial“? – Eine Richtigstellung

„Windkraft ist unsozial“

Unter diesem Titel veröffentlichte die Rhein-Main-Presse  ein Interview mit drei Vertretern von „Pro Kulturlandschaft Rheingau“. Lesen Sie den Artikel  im Wiesbadener Kurier hier.

Windkraft ist unsozial?Dipl.-Ing. Manfred Vogel, Geschäftsführer des Kompetenzzentrum Erneuerbare Energien Rheingau-Taunus e.V (KEE-RTK), schrieb dazu einige Richtigstellungen. Besonders auffallend ist die krude Beschuldigung „Windkraft ist unsozial“ von Herrn Freimuth. Hier die aufgestellten Behauptungen und ihre Widerlegung im einzelnen:

Falsch: Dr. Wolfgang Dertz:Windräder erhöhen den CO2-Ausstoß durch Braunkohlekraftwerke“.

Windräder haben das Kohlendioxid in der Luft erhöht, weil bei Windstille Braunkohlekraftwerke den Stromausfall kompensieren müssen.

Richtig ist:

Auch Braunkohlekraftwerke lassen sich in gewissem Rahmen regeln, so dass bei einem hohen Angebot an Windenergie (und anderen EE) die Kraftwerke gedrosselt und somit der CO2-Ausstoß reduziert wird. Im 1. HJ 2014 haben die EE (alle zusammen) mit ca. 28 % die Braunkohle von Rang 1 im deutschen Strommix verdrängt! Hätten wir keinen Windstrom, müssten die Braunkohlekraftwerke sehr viel mehr Strom und somit auch sehr viel mehr CO2 produzieren, da der Atomausstieg ja bereits begonnen hat.

Falsch: Dr. Wolfgang Dertz: „Zufallsstrom wird ans Ausland verschenkt“.

Entstehender „Zufalls-Strom“ wird von allen bezahlt und ans Ausland verschenkt.

Richtig ist:

Unter Zufallsstrom versteht Herr Dr. Dertz vermutlich den fluktuierenden Strom aus EE. Tatsächlich kommt es an wenigen Stunden im Jahr zu einem Überangebot an Strom, das zu negativen Preisen an der EEX (Strombörse) in Leipzig geführt hat. Dieses Phänomen geht aber eher darauf zurück, dass es betriebswirtschaftlich günstiger ist ein Kohlekraftwerk im Teillastbetrieb zu fahren, als es komplett vom Netz zu nehmen. Die negativen Preise kommen dann den Abnehmern zu Gute, die den Strom über die Börse beziehen. Das sind EVUs, Stromhändler, die Großindustrie und sicherlich auch einige Abnehmer im Ausland.

Falsch: Winfried Freimuth: „Windkraft ist unsozial“.

Der Gewinn wird privatisiert, Kosten und Lasten auf die Bürger verteilt. Die Windkraft wird mit allen Mitteln durchgedrückt. Im Zweifel mit Geld und fragwürdiger Mediation. Man muss nur mal nach Rheinland-Pfalz sehen, um zu wissen, was da in den Kommunen los ist. Zurück bleiben eine zerstrittene Bevölkerung und eine zerstörte Landschaft.

Richtig ist:

Seit Jahrzehnten wird die Stromerzeugung und Verteilung von 4 Unternehmen beherrscht (oligopol), so dass Gewinne schon immer privatisiert worden sind. Mit der Energiewende und dezentralen Erzeugungsanlagen haben erstmals die Bürger, Genossenschaften, Landwirte, Kommunen und kleine Unternehmen die Chance, sich an der Wertschöpfung aus der Energieversorgung zu beteiligen. Im Gegensatz zu den 4 großen EVUs, die die Energiewende verschlafen und jetzt mit drastisch sinkenden Margen zu kämpfen haben, haben sich die zuvor genannten mit Investitionen in Milliardenhöhe an der Energiewende in Deutschland beteiligt. Mehr als 1 Million PV-Anlagen, ca. 23.000 Windräder und ca. 8.000 Biogasanlagen sind das Ergebnis dieser Investitionen.

Falsch: Dr. Wolfgang Dertz: „Gaskraftwerke sind die umweltfreundlichste Art, Energie zu erzeugen“.

Gaskraftwerke sind die umweltfreundlichste Art, Energie zu erzeugen.

Richtig ist:

Thermische Kraftwerke, die mit fossilen Energieträgern (hier Erdgas) betrieben werden, stoßen CO2 und andere Schadstoffe aus, Darüber hinaus ist auch die Gewinnung von Erdgas (konventionell oder Fracking) mit erheblichen Umweltbelastungen verbunden. Strom aus Windenergieanlagen trägt sehr viel weniger zur Umweltbelastung bei.

Falsch: Dr. Wolfgang Dertz: „Steinkohle ist nahezu unendlich in der Welt vorhanden“.

Im Übrigen ist Steinkohle nahezu unendlich in der Welt vorhanden.

Richtig ist:

Den Begriff „nahezu unendlich“ für einen fossilen Rohstoff zu verwenden, ist völlig absurd. Selbst wenn die Kohle noch für 1.000 Jahre reichen würde, wäre dies in der Erdgeschichte noch kein Wimpernschlag. Den Begriff kann man eher auf EE anwenden, aber selbst die Sonne kann in mehreren Milliarden Jahren ihre Energie aufgebraucht haben.

Falsch: Dr. Wolfgang Dertz: „Naturschutz, Landschaftsschutz und Denkmalschutz bleiben auf der Strecke“.

Zugunsten zweifelhafter Umwelt- und Finanz-Interessen. Das Landesamt für Denkmalpflege hat einen auf den Hut bekommen, weil man sich dort gegen die Windkraft im Rheingau ausgesprochen hat.

Richtig ist:

Die Kriterien zur Prüfung der Verträglichkeit mit Naturschutz, Landschaftsschutz und Denkmalschutz sind im immissionsschutzrechtlichen Verfahren mit und ohne Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) gleich, es bleibt also nichts auf der Strecke, wenn keine UVP durchgeführt wird.

Falsch: Dr. Wolfgang Dertz: „Banken und Versicherungen bauen keine Windräder“.

Warum bauen wohl Banken und Versicherungen keine Windräder?

Richtig ist:

Vielleicht bauen Banken und Versicherungen keine Windräder, aber sie investieren bzw. finanzieren solche Projekte. Selbstverständlich werden auch regionale Banken bei der Finanzierung z. B. des Windparks Heidenrod beteiligt sein.

Falsch: Dr. Wolfgang Dertz: „Und wenn die Industrie-Ruinen im Wald stehen, zahlt die Allgemeinheit“.

In der Haut eines betroffenen Bürgermeisters möchte ich dann nicht stecken!

Richtig ist:

Selbst wenn ein Windpark-Betreiber Insolvenz anmelden müsste, würde es nicht zwangsläufig zu „Industrie-Ruinen“ führen. Die finanzierenden Banken würden nach geeigneten Neuinvestoren suchen und diese mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auch finden, da eine Windenergieanlage keine Brennstoffkosten verursacht. Darüber hinaus müssen die Betreiber eine Bürgschaft in Höhe von ca. 150.000,- Euro pro Windrad hinterlegen, damit ein Rückbau der Anlage damit gewährleistet ist.

 

 

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